Auschwitz-Birkenau – Gedenkstätte und Staatliches Museum


Auschwitz-Birkenau ist in Bezug auf seine Opferzahl das größte nationalsozialistische Konzentrations- und Vernichtungslager. Das Stammlager, zunächst für polnische politische Häftlinge vorgesehen, wurde im Sommer 1940 in der Nähe der von den Deutschen besetzten Stadt Oświęcim (Auschwitz) in Betrieb genommen. Sie lag in dem Teil Ostoberschlesiens, das 1939 dem Deutschen Reich angegliedert worden war. Im Juni 1941, nach dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion, wurden auch sowjetische Kriegsgefangene ins Lager eingeliefert. Mit der Zeit begannen die Deutschen, auch Gefangene aus anderen besetzten Ländern Europas nach Auschwitz zu deportieren. Im Herbst 1941 wurde der Ausbau des Lagers begonnen. Wo früher das Dörfchen Brzezinka (Birkenau) gelegen hatte, wurde das Lager Auschwitz II – Birkenau errichtet. Zu diesem Lagerkomplex gehörten mehr als 40 Nebenlager.

In Auschwitz-Birkenau und seinen Nebenlagern wurden insgesamt ca. 400.000 Personen registriert. Über die Hälfte von ihnen kamen durch schlechte Lebensbedingungen, Zwangsarbeit, Hunger, Epidemien, medizinische Versuche und Exekutionen um. Die Häftlinge wurden entsprechend ihrer Nationalität oder dem Verhaftungsgrund in verschiedene Kategorien eingeteilt. Je nach Kategorie wurden die Häftlinge unterschiedlich behandelt und hatten damit schlechtere oder bessere Überlebenschancen.

Ab 1942 diente das Lager Birkenau als Zentrum der Vernichtung der europäischen Juden. Der Großteil der Menschen, die mit Eisenbahntransporten eintrafen, wurde nicht registriert, sondern direkt von der Rampe am Bahnsteig in die Gaskammern gebracht, wo man sie mit-hilfe von Zyklon B tötete. Es wird geschätzt, dass im Lager Auschwitz-Birkenau 1,1 Millionen Menschen ermordet wurden - Männer, Frauen und Kinder. 90 Prozent der Ermordeten waren Juden aus fast allen Ländern Europas (noch im Sommer 1944 wurden 438.000 ungarische Juden nach Birkenau deportiert). Die zweitgrößte Opfergruppe waren Polen mit 70.000 bis 75.000 Menschen, es folgten Sinti und Roma (21.000 Opfer) und sowjetische Kriegsgefangene (15.000 Soldaten). Auch Angehörige anderer Nationen kamen in Auschwitz um, unter ihnen Deutsche und Österreicher.

Im Stammlager Auschwitz gab es zahlreiche Widerstandsgruppen. Eine der ersten war der Bund der Militärischen Organisation, der im Herbst 1940 von Witold Pilecki gegründet wurde. Pilecki ließ sich absichtlich verhaften und ins Lager bringen, um diese Gruppe zu formieren. Der Bund hatte Kontakt zur polnischen Untergrundregierung. Später entstand auch eine von Kommunisten und Sozialdemokraten geführte internationale Widerstandsgruppe unter dem Namen Wehrgruppe Auschwitz. Zu den Aufgaben der Widerstandsarbeit gehörten die Selbsthilfe der Häftlinge und die Weitergabe von Informationen über die in Auschwitz begangenen Verbrechen nach außen. Ein bewaffneter Aufstand wurde geplant, aber nie durchgeführt.

Am 7. August 1944 kam es zum lange vorbereiteten Aufstand des Sonderkommandos. Das Kommando bestand ausschließlich aus jüdischen Häftlingen, deren Aufgabe die Bedienung der Krematorien und Gaskammern war. In Abständen wurden die Mitglieder des Sonderkommandos als Zeugen der deutschen Verbrechen umgebracht und durch neu angekommene Häftlinge ersetzt. Im Angesicht des Todes beschlossen die Häftlinge, sich zu wehren. Sie sprengten eines der Krematorien und versuchten zu fliehen. Alle Aufständischen wurden jedoch gefasst und ermordet.

Die Rote Armee befreite das Lager am 27. Januar 1945. Der Großteil der Häftlinge erlebte die Befreiung nicht mehr. Zu Beginn des Jahres 1945 wurden die noch im Lager Lebenden auf langen Todesmärschen zu Fuß in weiter westlich gelegene Konzentrationslager geschickt. Der ehemalige Kommandant des Lagers, Rudolf Höß, wurde 1947 vom höchsten Landestribunal zum Tode verurteilt und auf dem Lagergelände gehenkt.

Zofia Wóycicka

In der Nachkriegszeit kam es zu heftigen Konflikten um das Gedenken an die Opfer von Auschwitz. Für Polen war es ein Ort polnischen Martyriums, während „Auschwitz“ für Juden und die übrige Welt zum Synonym für den Holocaust wurde. Für Verwirrung sorgte zeitweise die überhöhte Zahl von vier Millionen Opfern, die das Museum Auschwitz offiziell angab. Es stützte sich auf Aussagen einer sowjetischen Untersuchungskommission. Dabei wurde auch die Tatsache verschwiegen, dass die absolute Mehrheit der Ermordeten Juden waren. Die falsche Zahl stand bis in die 1990er Jahre auch auf dem 1967 eingeweihten Denkmal in Birkenau. Außerdem versuchte die polnische kommunistische Regierung häufig, die Erinnerung an die Opfer von Auschwitz für ihre politischen Zwecke zu manipulieren.

Zum schärfsten Streit um Auschwitz kam es in den Jahren 1998-1999, als eine Gruppe von polnischen Nationalisten ein an das Museum grenzendes Gelände besetzte und dort einen Wald von Kreuzen aufstellte, um ein großes Kreuz zu „schützen“, das nach jüdischen Protesten versetzt werden sollte. Letztlich wurden durch die Intervention der lokalen Regierung die Kreuze entfernt – nur das große blieb an Ort und Stelle.

Der Ort der Erinnerung besteht aus zwei Teilen, dem Stammlager Auschwitz I und dem drei Kilometer entfernten Birkenau. Zwischen den beiden Teilen pendelt ein Bus. Die Bauten in Auschwitz I sind fast alle erhalten geblieben. Auf dem Gelände von Birkenau sind zum Teil die Baracken, das Tor an der Einfahrt, die Umzäunung und die Bahnsteigrampe erhalten geblieben; außerdem Reste der gesprengten Krematorien und Gaskammern. Am Ende der Rampe, zwischen den Ruinen der Krematorien II und III, wurde 1967 das Internationale Denkmal für die Opfer von Auschwitz enthüllt. Auf dem Gelände beider ehemaliger Lager sind Tafeln in polnischer, englischer und hebräischer Sprache aufgestellt, die über den jeweiligen Teil mitsamt seiner Geschichte und Bedeutung, informieren. Im Museum sind mehrere Ausstellungen zu besichtigen. Auf dem Gelände von Auschwitz I befindet sich die Hauptausstellung, die größtenteils noch aus den 50er Jahren stammt. Ihr Hauptelement sind die bei der Befreiung des Lagers aufgefundenen Besitztümer der Ermordeten. Auf demselben Gelände befinden sich auch nationale Ausstellungen, bei denen jedes Land für seine Ausstellung selbst verantwortlich ist. Im Museumskino werden Filme über die Lagergeschichte gezeigt. In Birkenau wurde den Besuchern vor einigen Jahren die „Sauna“ zugänglich gemacht, in der die ankommenden Häftlinge registriert und desinfiziert wurden. In einem der Räume werden Fotos ausgestellt, die von den deportierten Juden mitgebracht worden waren. Die Ausstellungsmacher waren bemüht, die Schicksale der abgebildeten Häftlinge nachzuzeichnen.


Seit dem 15. April 2013 kann man auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz II – Birkenau, im Abschnitt B IIa, drei Holzbaracken besichtigen. Sie wurden im Rahmen des Programmes „Erhaltung von fünf Holzbaracken des ehemaligen KL Auschwitz II – Birkenau“, welches aus EU-Mitteln finanziert wird, zugänglich gemacht.

 Besuchern ist außerdem ein Besuch des Jüdischen Zentrums (Centrum Żydowskie) zu empfehlen, das sich in der ehemaligen Synagoge Chewer Lomdei Mischnajot befindet (www.ajcf.pl). Dort gibt es eine interessante Ausstellung über die Geschichte der lokalen Juden zu sehen und Zeitzeugenberichte zu hören. Außerdem bietet das Zentrum geführte Stadtspaziergänge an. In der Stadt gibt es einige Orte, an denen man auch mit großen Gruppen einkehren kann.

Zu empfehlen ist u. a. das Zentrum für Dialog und Gebet („Centrum Dialogu i Modlitwy“ ul. M. Kolbego 1, (http://cdim.pl/de) oder das Internationale Begegnungszentrum für Jugendliche („Międzynarodowy Dom Spotkań Młodzieży”, ul. Legionów 11, (www.mdsm.pl). Außerdem organisiert die IJBS nach einer vorherigen Absprache auch Studienreisen, die  4-7  Tage dauern (vor allem für deutsche und polnische Jugendliche) sowie verschiedene Seminare und Veranstaltungen zum Thema Auschwitz. Jedes Jahr findet in Oświęcim am „Tag des Gedenkens an die Shoah und des Heldentums“ (JomHaShoah), der auf den Aprill oder Mai fällt, der „Marsch der Lebenden“ statt, der die Erinnerung an die Opfer der Shoah bewahren soll. Teilnehmer des Marsches sind vor allem junge Leute aus Israel und Polen sowie aus anderen Ländern der Welt.

Zofia Wóycicka


Auschwitz-Birkenau – Gedenkstätte und Staatliches Museum


ul. Więźniów Oświęcimia 20 32-603 Oświęcim-Brzezinka


Tel.: +48 33 844 - 8100, - 8099, -8000


Fax: +48 33 843 2227


http://www.auschwitz.org.pl


E-Mail: muzeum@auschwitz.org.pl


Täglich geöffnet. 8.00 bis 14.00 Uhr Dezember 8.00 bis 15.00 Uhr Januar, November 8.00 bis 16.00 Uhr Februar 8.00 bis 17.00 Uhr März, Oktober 8.00 bis 18.00 Uhr April, Mai, September 8.00 bis 19.00 Uhr Juni, Juli, August Archiv, Administration, Bibliothek geöffnet an Werktagen von 08.00 bis 14.00. visit.auschwitz.org


Eintritt frei. Für Gruppen ist eine Führung obligatorisch.


Staatliches Museum Auschwitz-Birkenau (Państwowe Muzeum Auschwitz-Birkenau)

Anfahrt:

Nach Oświęcim kommt man am besten mit dem Zug aus Krakau oder Katowice (Fahrpläne auf http://rozklad-pkp.pl/bin/query.exe/dn?). Zwischen Krakau und Oświęcim verkehren außerdem kleine Busse, die vom Parkplatz in der Nähe des Hauptbahnhofs abfahren. Vom Bahnhof in Oświęcim kommt man mit dem Bus oder einem Taxi zum Museum.

Entwurf und Realisierung: