Brandenburg – Zuchthaus


Die für ca. 1800 Gefangene geplante Strafanstalt Brandenburg-Görden wurde zwischen 1927 und 1935 errichtet. Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 wurde die als Musteranstalt des "humanen Strafvollzuges" konzipierte Strafanstalt zum Instrument für die Verfolgung von politischen Gegnern, Andersdenkenden und sonstigen missliebigen Personen.

Im Zuchthaus Brandenburg waren in erster Linie kriminelle und politische Häftlinge, die zu langjähriger oder lebenslanger Zuchthausstrafe verurteilt waren, zum Tode Verurteilte, "Sicherungsverwahrte", Untersuchungsgefangene und Kriegsgefangene inhaftiert. War in den ersten Jahren der Anteil der politischen Gefangenen noch relativ gering, so stieg er in den Kriegsjahren auf bis zu 60 Prozent an. Die Errichtung einer Hinrichtungsstätte im Jahre 1940 steht ebenfalls im Zusammenhang mit einer kriegsbedingten Verschärfung des nationalsozialistischen Terrors gegen Widerständigkeit und Verweigerung in der eigenen Bevölkerung. Ab Ende 1942 wurden alle "Sicherungsverwahrten", Juden, Sinti und Roma, Russen und Ukrainer in Konzentrationslager überstellt.

1940 wurde das Zuchthaus Brandenburg-Görden auch Hinrichtungsstätte. In einem bis dahin als Garage genutzten Bereich wurden ein Fallbeil und eine Vorrichtung zur Hinrichtung durch Erhängen installiert. Vom 1. August 1940 bis zum 20. April 1945 wurden im Zuchthaus Brandenburg-Görden 2743 Menschen hingerichtet. Darunter befanden sich 1722 Menschen, die aus politischen Gründen zum Tode verurteilt worden waren. Die meisten Todesurteile verhängten Sondergerichte oder der "Volksgerichtshof" auf der Basis von Gesetzestexten, die einen weiten Interpretationsspielraum ließen.

Unter den Hinrichtungsopfern waren politische Häftlinge aus fast allen Ländern Europas. Neben vielen Deutschen starben in Brandenburg-Görden Tschechen, Slowaken, Polen, Österreicher, Belgier, Franzosen, Bürger aus den Staaten der ehemaligen UdSSR, Niederländer, Jugoslawen, Italiener, Norweger, Schweden, Luxemburger, Spanier, Ungarn und Briten. Unter ihnen waren fast alle sozialen und weltanschaulichen Gruppen vertreten: Kommunisten, Sozialdemokraten, Konservative, Liberale, Geistliche, Unternehmer, Intellektuelle, Studenten, Juristen, Arbeiter, Angestellte, Landwirte, Angehörige der Wehrmacht, Ärzte und Lehrer. Unter den Opfern befanden sich auch 16 Männer, die im Zusammenhang mit dem gescheiterten Attentat auf Hitler vom 20. Juli 1944 hingerichtet wurden, sowie über 100 Bibelforscher (Zeugen Jehovas), die meistens wegen Verweigerung des Wehrdienstes mit dem Tode bestraft wurden. Das jüngste Opfer war der Franzose Henri Delst, der im Alter von 15 Jahren unter dem Fallbeil starb. Das älteste Opfer war der 72jährige Deutsche Georg Herzberg.

Im alten Zuchthaus Brandenburg an der Neuendorfer Straße, das wegen katastrophaler hygienischer Zustände 1931 zunächst geschlossen wurde, war von August 1933 bis Februar 1934 das KZ Brandenburg untergebracht, in dem viele prominente Nazigegner inhaftiert waren.

Hier wurden später im Rahmen der sogenannten „Aktion T4“ von Februar bis Oktober 1940 etwa 9.000 behinderte oder kranke Menschen aus Nord- und Mitteldeutschland in Gaskammern ermordet. Die Gaskammern, die als Duschen getarnt waren, dienten später als „Vorbild“ für die Ermordung der europäischen Juden in den Vernichtungslagern. Im Oktober 1940 wurde die „Euthansieanstalt“ nach Bernburg verlegt.

Am 27. April 1945 befreiten sowjetische Truppen das Zuchthaus Brandenburg-Görden, das zu diesem Zeitpunkt mit ca. 3.600 Häftlinge belegt war. Aus den Todeszellen konnten rund 180 Häftlinge befreit werden.

Auch nach dem Ende der Nazi-Diktatur 1945 wurde das Zuchthaus zunächst von den sowjetischen Militärbehörden, später von der DDR zur Internierung von Kriegsverbrechern, aber auch politischen Häftlingen benutzt, die hier zusammen mit kriminellen Straftätern einsitzen mussten.

(Quelle: Darstellung der Dokumentationsstelle Brandenburg)

Matthias Barelkowski

Das ehemalige Zuchthaus ist heute eine Justizvollzugsanstalt des Landes Brandenburg.

(Quelle: Darstellung der Dokumentationsstelle Brandenburg)

Matthias Barelkowski


Brandenburg – Zuchthaus


Anton-Saefkow-Allee 22 14772 Brandenburg/Havel


Tel. 03301-810912


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info@stiftung-bg.de


Postanschrift: Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, Heinrich-Grüber-Platz

D-16515 Oranienburg


Führungen: 03301-200200 info@stiftung-bg.de

Die Gedenkräume sowie das Büro und Archiv der Dokumentationsstelle befinden sich im inneren Sicherungsbereich der heutigen Justizvollzugsanstalt.

Führungen sind daher nur nach vorheriger und langfristiger (2 Wochen) Vereinbarung, meist dienstags, möglich.


Die Dokumentationsstelle bietet darüber hinaus nach telefonischer Vereinbarung Führungen in der "Euthanasie"-Gedenkstätte im Stadtzentrum von Brandenburg an.


Anfahrt


Ab Berlin mit der Regionalbahn RE 1 (Fahrzeit ca. 30 Minuten); ab Brandenburg Hauptbahnhof mit der Straßenbahn Linie 1 bis Haltestelle Anton-Saefkow-Allee


Autobahn A2 ab Berlin Richtung Magdeburg/Hannover, Abfahrt Brandenburg; Bundesstraße 1 Richtung Genthin

Entwurf und Realisierung: