Berlin-Bayerisches Viertel – Mahnen und Gedenken


Im Wohnviertel rund um den Bayerischen Platz im Berliner Bezirk Schöneberg wohnten bis 1933 viele Juden, die in gehobenen Berufen – oft als Rechtsanwälte und Ärzte oder als Unternehmer – tätig waren und fest in die bürgerliche Gesellschaft integriert waren. Außerdem lebte hier auch eine erstaunlich große Zahl jüdischer Dichter, Schriftsteller und Wissenschaftler. Für sie bedeutete die 1933 einsetzende Verfolgung einen besonders großen Schock. Viele der ehemals 16.000 Juden, die rund um den Bayerischen Platz lebten, flüchteten in den folgenden Jahren aus Deutschland. Seit dem 18. Oktober 1941 wurden 6.000, die meisten der im Land Gebliebenen, deportiert und ermordet.

Hinweis: Albert Einstein wohnte von 1918 bis zu seiner Emigration 1933 im Bayerischen Viertel, in der Haberlandstraße 5. Hier erinnert eine Gedenktafel an den Physiker. Auch die Dichterinnen Gertrud Kolmar (geb. Chodziesner) und Else Lasker-Schüler lebten im Bayerischen Viertel.

Christoph Kreutzmüller

Auf Initiative des Kunstamts Schöneberg wurde 1993 eine Ausstellung auf 80 Tafeln eröffnet, die über das gesamte Viertel verteilt und oft an Straßenlampen angebracht sind. Bei einem Gang durch das Bayerische Viertel kann man die zunehmende Ausgrenzung, Entrechtung und Deportation von Juden an konkreten Beispielen nachvollziehen, die oft in Bezug zur Umgebung stehen. Vor einem Spielplatz ist beispielsweise eine Anordnung von 1938 zu finden, dass jüdische und nichtjüdische Kinder nicht mehr miteinander spielen dürfen. Und an einem U-Bahn-Eingang steht, ab wann Juden die Bahn nicht mehr benutzen durften. Informationstafeln auf dem Bayerischen Platz, vor dem Rathaus Schöneberg und in der Münchener Straße dienen als Wegweiser und Legende.

Christoph Kreutzmüller


Berlin-Bayerisches Viertel – Mahnen und Gedenken


Berlin-Bayerisches Viertel


Tel.: +49 30 787 630 32


http://www.laufend-erinnern.de


Führungen: Kunstamt Schöneberg

Entwurf und Realisierung: